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Michel Würthle, Der Schwarze Leuchtturm von Oran



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Tausendmal hat man schon über die tiefe und unverwüstliche Freundschaft von Michel Würthle mit zahlreichen Künstlern gesprochen, von denen er häufig auch einer der ersten Sammler war. Weniger weiß man über einige feucht fröhliche Gespräche, die zu Gemeinschaftsarbeiten in Form von Gemälden, Collagen und Texten führten, vor allem mit Kippenberger, aber auch mit Damien Hirst, Daniel Richter, Walter Pichler, Cosima von Bonin, Haralampi Oroschakoff, Herbert Volkmann ... Seine Vergnügungssucht und nächtlichen Wanderungen haben ihn zu Zeichnungen inspiriert, zumeist in schwarzer Tusche, die komisch, manchmal pornographisch und immer unerhört wild sind. Den in der Ausstellung „Kurs auf Afrika“ gezeigten Werken liegt nun eine gewisse leise Melancholie zugrunde. Die Zeichnungen sind luftiger, träumerischer, weniger schwarz und beißend, so als ob der flamboyante Siebzigjährige zum ersten Mal seinen Schutz aufgeben hätte und den Altersweisen zum Vorschein kommen ließe.
 
Nach seinem unterbrochenen Studium an der Kunstakademie Wien zog es Michel Würthle 1964 nach Paris bevor er im Jahr 1971 nach Berlin kam und mit seinen langjährigen Freunden Oswald und Ingrid Wiener das „Exil“ eröffnete. Wenige Jahre später übernahm er die „Paris Bar“ an der Kantstraße im Bezirk Charlottenburg. Schnell wurde diese eine Institution für Künstler, Schauspieler und Intellektuelle. 1991 begann er wieder künstlerisch zu arbeiten. Seitdem ist er regelmäßig eingeladen, seine Arbeit auszustellen, oder Gruppenausstellungen zu kuratieren.



Michel Würthle's deep and unfailing friendships to numerous artists are widely known. Often he was the first to collect their art. Less known is the fact that certain boozy conversations laid the foundation of some four-handed paintings, collages and texts (in collaboration with Martin Kippenberger of course, but also Damien Hirst, Daniel Richter, Walter Pichler, Cosima von Bonin, Haralampi Oroschakoff, Herbert Volkmann ...). His lust for life and nocturnal odysseys inspired him black ink drawings, that are humorous, sometimes pornographic and incredibly biting. Today a sort of sweet melancholy underlies the works presented in the exhibition "Der Schwarze Leuchtturm von Oran". Lightener drawings inviting to dreaminess, less dark, less sharp… as if the always flamboyant septuagenarian would low his guard for the first time to show the old wise.

 

After his interrupted studies at the Academy of Fine Arts Vienna, Michel Würthle 1964 moved to Paris before he came 1971 to Berlin, and opened there the “Exile” with his longtime friends Oswald and Ingrid Wiener. A few years later he took over the “Paris Bar” on the Kantstrasse in the Charlottenburg district. The restaurant quickly became an institution for artists, actors and intellectuals. In 1991, he took up with his artistic practice. Since then, he is regularly invited to exhibit his work, or to curate group shows.