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Marie Rief
Lichte Schatten
31.01.-28.02.2015

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Licht durchdringt die Zeichnung auf transparentem Papier, die Glasscheibe, den Klebestreifen... Beim Auftreffen auf das lichtempfindliche Papier zeichnen sich die Spuren der verschiedenen Materialien ab und formen einen dunklen undefinierten Raum. Was genau auf den Arbeiten von Marie Rief passiert zeigt sich nicht auf den ersten Blick, die Komposition bleibt geheimnisvoll. Man nimmt den fotografischen Prozess wahr, doch die Zeichnung als Ursprung des Motivs entschlüsselt sich erst durch genaueres Betrachten. Weiße Magnetabdrücke, scharfkantige Ablichtungen von gewölbtem Papier, keiner Logik folgende Unschärfe sammeln sich zu einem unbegründeten Untergrund. Auf ihm tritt mal mehr, mal weniger schwaches Licht heraus, ohne sich konkret zu einem Objekt zu formieren. Die Präsenz einer Handzeichnung, mit den Spuren der Arbeit im dunklen Labor, bestimmt die Atmosphäre. So ergibt sich eine Idee von Raum und der Äquivalenz von natürlichem und künstlichem Licht. Der formlose zeichnerische Raum irritiert die verallgemeinerte Wahrnehmung von Fotografie und lenkt das Denken auf ihren Ursprung, der Transformation von Schatten zu Licht.

Der Kontrast zwischen dem intensiven persönlichen und körperlichen Ausdruck durch die Zeichnung gegen die systematische Natur der Fotografie, legt den Grundstein für eine neue Interpretation von Raum und Objekt. Marie Rief zeigt nicht ihre Zeichnungen, sondern eine fotografische Transformation; sie erstellt damit einen Raum, den keine dieser Techniken allein schaffen könnte. Sie hinterfragt die Wahrnehmung und Differenz zwischen Zeichnung und Fotografie, um die gedankliche Ebene ihrer Arbeit zu erweitern. Durch bewusstes Zulassen von Fehlstellen während der Arbeit in der Dunkelheit,  nähert sie sich einem fremden Gebiet an, in dem Fachkenntnisse dem Unerwarteten und dem Überraschenden weichen.


Marie-Luise Rief wurde 1987 in Berlin geboren; von 2008 bis zum Abschluss des Studiums als Meisterschülerin in 2014 arbeitete sie in der Klasse bei Prof. Pia Fries, kurzzeitig bei Prof. Gregory Cumins. 2014 erhält sie den Regina-Pistor Preis und wird für den Meisterschülerpreis des Präsidenten der UDK nominiert. Seit Ende des Studiums arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Berlin.



The light goes through the transparent paper - and the drawing on it -, the glass and the tape... When it reaches the photosensitive surface, the trace of the different materials appears to form a dark and uneven space. The process by which the works of Marie Rief is ruled does not appear at first glance. Their composition is mysterious: the photographic process is visible, but only a questioning of that first perception reveals the primary drawing. On a background composed of fuzzy and undefined elements, the magnets and the folds leave white and sharp prints; the light is dimly diffused without modeling any specific object. The drawing and its intensity marks were "flattened" in the laboratory, but the general atmosphere of the work is given by this original drawing: a space is created in which both artificial and natural light are equivalent. This shapeless space intrigues and leads thought to the origins of photography: the transformation of shadow into light.

The apparent contrast between the intense personal work induced by the drawing and the systematic nature of photography lays the foundation for a new interpretation of space and object. Marie Rief does not show her drawings but their photographic transfer, and she creates so a space that neither of these techniques alone might suggest. She reflects on the perception and the difference between drawing and photography, in order to expand the conceptual space of her work. By incorporating the "errors" occurred in darkness, she wants to appropriate an unknown territory, where knowledge disappears faced with the unexpected and the imperfect.

Marie Rief was born in Berlin in 1987; from 2008 to the completion of studies as a master student in 2014, she worked in the class of Pia Fries, briefly with Gregory Cumins. 2015, she received the “Regina Pistor price” and got nominated for the “Protégé Award” of the President of the UDK (Art University, Berlin).